Hermes Trismegistos

 

 

Intaglioarbeit von Giovanni di Stefano in der Kathedrale von Siena - 14. Jh.
Gestatten? Trismegistos. Hermes Mercurius Trismegistos!

 

Es ist nicht das Ziel zu imitieren

oder ein Abziehbild einer Schablone zu sein!

Magie hat etwas mit Freiheit zu tun!

Liber Freakonomikon

 

 

ie die geneigte und vor allem gewitzte Leserschaft bestimmt schon seit langem weiss, berufen sich die mittelalterlichen und modernen Alchemisten und Hermetiker ihren Schriften und Lehren immer wieder auf die alten "Philosophen und Weisen", von deren Lehren sie inspiriert zu sein vorgaben und immer noch vorgeben.

 

Diese Alchemisten und Hermetiker aus der Frühzeit, die legendären Gestalten eines Phimenas, Anaxilaos, Ostanes, Johannes, Jamblichus, Petesis, Komarios, Agathodaimon, Chimes, Moses, Hermes Trismegistos, sowie die leider viel zu oft vernachlässigten weiblichen Alchemistinnen Isis, Maria (Miriam) Prophetissa, Theosebia und Kleopatra, werden zum ersten Mal literarisch in griechischen Schriften aus dem 2. bis zum 7. Jahrhundert fassbar. Die Autoren und Autorinnen, die aus jenen alchemistisch-hermetischen Texten zu uns sprechen, waren angeblich ausnahmslos in die Mysterien des Altertums eingeweiht, weiss weise der okkulte Volksmund zu verkünden.

 

 Fragment aus dem "Dialog zwischen Kleopatra und den Philosophen" - 2. Jh.

"Nein, nein, nein, Kleopatra, das

habe ich so nie behauptet!"

Schon Pythagoras (um 570 – 510 v.u.Z.) und Platon (428/427 - 348/347 v.u.Z.) sollen angeblich diese Schriften auf ihren Reisen in Ägypten kennen gelernt und studiert haben. Pythagoras, dem kleinen Schelm, soll es sogar gelungen sein die priesterlichen Weihen zu empfangen, denen er bedurfte, um die tiefsten Geheimnisse der Ägypter zu erfahren.

 

Häufig wurde diese Lehre auch die göttliche, spagyrische, heilige, ägyptische oder hermetische Kunst bezeichnet. Diese Bezeichnungen weisen einmal mehr auf das Ursprungsland, das alexandrinisch-hellenistische Unterägypten hin, sowie auf Hermes und die so genannte hermetische Literatur.

 

Hermes?

Hermes Trismegistos?

 

Hmmm..., war das nicht dieser ähhh..., hat der nicht irgendetwas mit..., ähhh..., wie heisst das noch mal, zu tun und woher, bei Zeus, mag wohl sein Namen stammen?

 

Nun, vorab ist erst einmal bescheiden anzumerken, dass Hermes Trismegistos keine griechische Gottheit ist, wie die wohlmeinende Leserschaft wohl vermuten könnte, sondern eine Gottheit der griechischen Kolonisten in Ägypten.

 

Die zugewanderten Griechen bewunderten die alten religiösen Lehren des Nillandes, die sich ihrem Anschein nach seit den fernen Zeiten der Pharaonen nicht geändert hatten. In Wirklichkeit jedoch waren diese alten Lehren schon derart in Vergessenheit geraten, dass ihre Symbole und Hieroglyphen, als die Griechen sie zu erforschen begannen, nicht einmal mehr von den ägyptischen Priestern und Priesterinnen verstanden wurden.

 

Wie dem auch sei.

Die Griechen waren bestimmt nicht der grösste Teil der Einwohnerschaft von Alexandrien, aber bestimmt die Schicht mit der höchsten Bildung. Sie nahmen grosszügig alles an, was sie von den Fragmenten der alten ägyptischen Religion verstehen konnten und das Resultat war eine bunte Mischung ägyptischer und griechischer Philosophie, gewürzt mit Teilen der jüdischen Religion und abgeschmeckt mit den Religionen anderer Völker des Ostens.

Ein ganz besonderes Freizeitvergnügen der griechischen Mentalität war es nun mal, Parallelen zwischen ihren und den ägyptischen Gottheiten zu entdecken. Schon der alte Völkerkundler Herodot (490/480 -  425 v.u.Z.) schreibt in seinen Historien (II,50), dass "fast alle Götternamen aus Ägypten nach Griechenland gekommen sind."

In diesem Sinne blieb selbstverständlich auch der griechische Gott Hermes nicht von den religionsvergleichenden Studien der Griechen verschont.

 

Die Alchemistin Maria Prophetissa, die Jüdin (1. oder 2. Jahrhundert), lebte und forschte in Alexandria und suchte nach einer Methode zur Herstellung von Gold. Sie entwickelte verschiedene Laborgeräte, so zum Beispiel einen doppelwandigen Kessel, der wie ein Wasserbad dazu dient, Substanzen langsam zu erwärmen oder auf konstanter Temperatur zu halten. Der Vorläufer unseres Schnellkochtopfes war geboren. Die Franzosen nennen die Konstruktion noch heute "bain-marie".  - Michael Maier - Symbola aureae mensae duodecim nationum - Frankfurt am Main 1617

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Hermes, der griechische Gott, ist der Sage nach von arkadischer Herkunft. Arkadien lag auf dem Peloponnes und gehörte zu den zentralgriechischen Landschaften. Sein Vater soll der Göttervater Zeus und seine Mutter die Nymphe Maia gewesen sein. Der Name dieses vielseitigen Gottes bedeutet zu deutsch "der vom Steinhaufen", denn die Steinhaufen waren ihm heilig. Er selbst war vielleicht in seiner ältesten ursprünglichen Form der schon aus archaischer Zeit bekannte aufgerichtete steile Stein, die Herme. Diese bestand aus einem vierkantigen, mit einem bärtigen Hermeskopf gekrönten und mit Phallus und Ambossen versehenen Pfeiler.

Als Wegegott, wohl seine früheste Gestalt, war Hermes der Kundige und allzeit hilfsbereite Geleiter der Wanderer, der zudem die Seelen der Verstorbenen in die Unterwelt, in das dunkle Reich des Hades geleitet.

"Er öffnet die Tore der Geburt und des Todes", merkten schon tiefsinnig die alten Griechen an. 

Zugleich war er aber auch nach älteren Überlieferungen der Gott der Viehhirten. Möglicherweise gehörten zu seinen ältesten Erscheinungsformen der Widder, den er auf den Schultern trägt: ach... wie lieblich, das Urbild des guten Hirten. Diese Hirtenfunktion kehrt später im christlich beeinflussten Hermas, im Poimandres und schliesslich bei Christus selbst wieder, Amen!

 

Hermes ist aber auch der frei umherschweifende, der von seiner Mutter her mit den Nymphen in enger Verbindung steht und an vielen Orten mit ihnen einen gemeinsamen Kult besitzt.

Aus seiner Verbindung des Umherschweifenden und des aller Wege Kundigen ging der Listige hervor, der aller Schliche mächtig ist. So wurde er auch zum Gott der Diebe, er, der den Eid beugen konnte. So soll er der Sage nach, schon als kleines Kind die Rinder des Apollon gestohlen haben, diesen aber durch die Erfindung der Leier wieder versöhnt haben. Dieser Listenreichtum war ursprünglich tief im Zauber, in der Magie verhaftet. Noch bei Homer erscheint Hermes als Zauberkundig. Sein Stab, der Caduceus, war ursprünglich ein reiner Zauberstab. Die Berührung mit ihm brachte Träume, Segen und Reichtum. Hermes ist nach griechischer Auffassung, überhaupt der Gott, der "den Werken aller Menschen Anmut und Glanz verleiht" (Odyssee, 15, 319). Jeder glückliche Fund erschien dem Menschen daher als ein Hermaion.

 

Die in Ägypten ansässigen Griechen verschmolzen nun Hermes mit dem mythologisch sicher viel älteren ägyptischen Gott Thoth (Thot, Tehuti, Tahuti, Tat), dem Lehrer der Isis, Erfinder der Schrift, Hieroglyphenkundigen, dem Gott des Masses und der Zahl, dem Begründer der Sternkunde und Verfasser heiliger Bücher, in denen er jede Verborgenheit der Welt ergründet.

Als Mondgott mit dem Ibiskopf (in reiner Tiergestalt als Ibis oder als Pavian dargestellt) ist Thoth aus Chemnu, dem griechischen Hermopolis in Mittelägypten stammend, der Gott des Schreibens, Rechnens und Lesens, schliesslich Gott allen Wissens und der Heilkunst. Durch sein immenses Wissen wird er auch der Gott der Zauberei genannt, der als grosser Magier, die Zauberformeln zur Heilung der Kranken besitzt.

Durch seine Verschmelzung mit dem griechischen Hermes wandelte sich Thoth-Hermes baldig zu Hermes Trismegistos, der schon in den Hieroglyphentexten mitunter als der "dreimal Grosse" oder häufiger noch "der grosse Grosse" und sogar als der "zweimal Grosse" tituliert wurde.

 

Hermes Trismegistos wurde von den Griechen vermenschlicht und formte sich alsbald unter dem Einfluss der Neuplatoniker und diverser arabisch-christlicher Schriftsteller in einen alten Weisen oder ägyptischen König um, welcher die Menschen belehrte und geheimnisvolle Bücher verfasst habe soll.

 

Erwähnenswert mag auch die okkulte Mär erscheinen, dass sich hinter diesem Namen möglicherweise ein salbungsvoller Titel verbarg, der in antiken Zeiten einer (un)bestimmten ägyptischen Priesterkaste verliehen worden sein soll.

Aus diesem Grunde eigentlich merkwürdig, dass es noch keine okkulte Gesellschaft gibt, die diesen Titel, natürlich gegen eine angemessene finanzielle Spende, ihren Aspiranten verleiht.

 

Sollte ich mich irren, bitte eine kurze E-Mail an mich, damit ich diese neue Erkenntnis in meinem okkulten Kuriositätenkabinett vermerken kann.