Die hermetischen Schriften

 

Es gibt ein Recht auf Blasphemie,

sonst gibt es keine wahre Freiheit.

Liber Freakonomicon

 

Hermes, der alte Tunichtgut! - Hermes Trismegistos - 1763

 

 

nter den so genannten hermetischen Schriften (Corpus Hermeticum) versteht man im esoterischen Volksmund gut und gerne all jene Texte und Abhandlungen, die angeblich von Hermes Trismegistos verfasst worden sein sollen und die durch die Zeiten einen enormen Einfluss auf die Entwicklung des westlichen Okkultismus und der Magie ausgeübt haben.

 

Auf die weit zurückreichende Geschichte dieser doch schillernden Schriftstücke, möchte ich an dieser Stelle nun ein wenig näher eingehen.

 

Marsilius Ficinus (1433-1499), war Hauptförderer der Platonischen Studien im Rahmen der von Cosmos Medici gegründeten Platonischen Akademie in Florenz, insbesonders durch seine lateinische Übersetzung des Platonischen Gesamtwerkes. Er studierte Medizin und Musik, war dann Kanonicus in Florenz und lehrte an der Mediceischen Akademie Philosophie. In seinem Neuplatonismus versuchte er eine Synthese Aristotelischen und Platonischen Gedankengutes herzustellen und von daher der christlichen Theologie ein neues Fundament zu verschaffen. Für die Philosophie hat er durch seine reiche Übersetzungstätigkeit die griechischen Klassiker dem Abendlande erst richtig erschlossen. Neben Platon und Plotin übersetzte er ins Lateinische Werke von Proclos, Porphyrios, Theophrast, Speusipp, Pythagoras, Dionysos Areopagita u.a. - Porträtholzschnitt von Tobias Stimmer

Marsilius Ficinus (1433-1499)

Schon Manetho (ca. 300 v.u.Z.), ein ägyptischer Priester der die ägyptische Geschichte auf griechisch niederschrieb und Jamblichus von Chalkis, ein neuplatonischer syrischer Philosoph (ca. 240-325 v.u.Z.) erwähnen einen Hermes Trismegistos, der angeblich 3226 Jahre regierte und stolze 36`525 mystische, magische und astrologische Bücher über die Gesetze der Natur hinterlassen haben soll.

 

Nachfolgend beschreibt der römische Philosoph, Jurist und Staatsmann Cicero (106 – 43 v.u.Z.) in seinem Werk "Über die Natur der Götter - De natura Deorum" (III, 22, 56) fünf Götter und Heroen namens Hermes. Der letzte in der Reihe sei der legendäre Ägypter Hermes Trismegistos gewesen.

"Den fünften verehren die Pheneaten und er gilt als derjenige, welcher der Sage nach den Argus getötet hat, deshalb nach Ägypten floh und den Ägyptern ihre Gesetze gegeben und sie die Buchstabenschrift gelehrt hat. Die Ägypter nennen ihn Theuth, und mit demselben Namen wird bei ihnen auch der erste Monat des Jahres benannt."

 

Der christliche Kirchenvater Clemens von Alexandrien (150 - 215) berichtet in den Stromata (VI, 4, 35-38) von 42 philosophischen und medizinischen Büchern, die er bei einer feierlichen Prozession hat umhertragen sehen und die von ihm für den ägyptischen Tempeldienst angeblich als unentbehrlich bezeichnet wurden.

Als "Bücher" müssen hier aber im antiken Sinne wohl einzelne Hauptabschnitte oder Kapitel eines grösseren Werkes verstanden werden. Leider sind die Bücher, die Clemens anscheinend noch genau kannte, verloren gegangen, seufz...

 

Ein anderer Kirchenvater Tertullian (150 – 230) erwähnt Hermes Trismegistos lobend und nennt ihn den Lehrmeister aller Naturforscher und Laktanz (250 – 325) betont die Übereinstimmungen der hermetischen Theologie mit den Lehren des Christentums. Im Jahrhundert darauf verdammt allerdings Augustinus von Hippo (354 – 430) Hermes und seine Lehren in einer gut christlichen Tradition als heidnisch.

 

Der arabische Gelehrte und Astronom Albuzar (787 – 886) erzählt die Legende vom ersten Hermes, der noch vor der Sintflut das Urwissen der Menschheit niedergeschrieben, vom zweiten, der es nach der Flut wiederbelebt und dem dritten, der alchemistische Werke verfasst habe.

 

Von all den oben erwähnten Schriften, die Hermes Trismegistos zugeschrieben werden, sind uns letztendlich jedoch nur eine kümmerliche Anzahl von Schriften überliefert worden.

Diese sind das Corpus Hermeticum, der Asklepios-Dialog, sowie die Tabula Smaragdina Hermetis, die einen besonders grossen Einfluss auf die Alchemie ausgeübt hat.

 

Erwähnenswert mögen an dieser Stelle noch das dubiose astralmagische Picatrix "Das Pechschwarze" (Ghayat Al-Hakim - "Das Ziel des Weisen"), deren Hauptgegenstand die Astrologie und die Talismanologie ist, sowie das in neuerer Zeit entstandene Kybalion sein, die sich an die drei oben erwähnten Basiswerke anlehnen.

(Das Piatrix wurde übrigens ca. 1000 n.u.Z. in arabischer Sprache verfasst und 1256 für den castilianischen König Alfonso den Weisen in die lateinische Sprache übersetzt.)

 

Wie dem auch sei, ein griechisches Manuskript des Corpus Hermeticum, eines der wichtigsten Basiswerke der hermetischen Schriften, wurde jedenfalls 1460 von einem Mönch in Mazedonien entdeckt und nachfolgend nach Florenz spediert. Dort wurde es anschliessend von dem Florentiner Humanist Marsilius Ficinus (1433 – 1499) im Auftrag von Cosimos di Medici 1463 ins Lateinische übersetzt und erstmals unter dem Titel "Mercurii Trismegisti liber de potestate et sapientia die" (Das Buch des Hermes Trismegistos über die Macht und Weisheit Gottes) gedruckt.

 

Bei religiösen Sinnsuchern und esoterischen Schwarmgeistern der damaligen Zeitepoche fiel diese Schrift nun auf äusserst fruchtbaren Boden.

So betrachtet der deutsche Mystiker Sebastian Franck (1499 – 1542) die hermetischen Schriften als den biblischen ebenbürtig. Später wirbt der französische Staatsmann und Theologe Philippe de Mornay (1549 – 1623), ein Anhänger der Reformation, mit den Lehren des Hermes für religiöse Toleranz.

 

In der dem Mediziner, Alchemisten und Philosophen Paracelsus (Theophratus Bombastus von Hohenheim, 1493 – 1541) zugeschriebenen "Aurora Philosophorum" (Morgenrot der Weisen) wird die arabische Hermeslegende aufgenommen und die Anhänger des Paracelsus erklären ihn sogar zum "zweiten (oder deutschen) Hermes", der die Urweisheit wiederbelebt habe.

 

Und was mag das Corpus Hermeticum wohl beinhalten?

 

Das Corpus Hermeticum ist eine anonyme Sammlung von moralisch-verbrähmten, pseudochristlich formulierten griechischen Traktaten in Brief-, Dialog- und Predigtform, vorgeblich zwischen Schüler und Meister oder zwischen Hermes Trismegistos und seinen Söhnen (d.h. Jüngern). Sie behandeln die Entstehung der Welt, die Gestalt des Kosmos, sowie menschliche und göttliche Weisheit. Sie wiederholen sich oft und behandeln meist dasselbe Thema mit verschiedenen Graden der Komplexität.

 

Mit Sicherheit ist festzuhalten, dass sich die hermetischen Schriften im Schmelztiegel alexandrinischer Mystik und Philosophie während der ersten drei Jahrhunderte nach Christus bildeten. So finden sich mystische und philosophische Ideen der Gnosis, des Judentums, neuplatonische Gedanken, sowie der ägyptischen und orphischen Mysterien darin.

 

So neu ist diese Erkenntnis aber keineswegs, denn schon Isaac Causaubon (1559-1614), ein überaus gelehrter Protestant, Philologe und bedeutender Humanist, hat in seinem Buch "De Rebus Sacris et Ecclesiasticis Exercitationes XVI - 1614, London"  (Von den heiligen und kirchlichen Dingen) den Nachweis erbracht, dass das Corpus Hermeticum nicht vor dem 2. nachchristlichen Jahrhundert von griechischen Autoren in Ägypten verfasst worden war. Das Corpus Hermeticum beinhalte keine authentischen altägyptischen Weisheiten, geschweige denn vorsintflutliches Urwissen. Stil, Wortwahl und christliche Bezüge weisen klar darauf hin.

 

Sein vernichtendes Urteil lautet schliesslich: "Das Corpus Hermeticum hat nichts mit ägyptischen Altertümern zu tun, sondern ist eine christliche Fälschung, die der Heidenmission dienen sollte". (S. 73-75)

 

Nun, dies mag gewisslich enttäuschend für viele der damaligen Renaissance-Neoplatoniker, Hermetiker und Okkultisten gewesen sein. Sie glaubten doch bis anhin, dass in diesen ausserbiblischen hermetischen Schriften, Offenbarungen aus mosaischer, oder sogar vormosaischer Zeit zu Wort kommen, die nicht nur aus einer höheren Quelle gespeist, sondern direkt von Gott "himself" verkündet worden sind.

 

Doch ein wahrer Hermetiker aus echtem okkulten Schrot und Korn wusste sich in solchen misslichen Situationen gut auszuhelfen und profitierte von seinem jahrelang praktizierten magischen Training: Der Konzentration!

Konzentration ist ein Akt, der befähigt Unwesentliches aus dem Bewusstsein auszublenden und was gibt es letztendlich unwesentlicheres als eine unliebsame Wahrheit, hmmm...!?

 

Nur so ist es letztendlich zu verstehen, dass die Aufklärungsschrift von Causaubon herzlich wenig genutzt hat, denn schon im 1756 gegründeten esoterischen "Orden der Gold- und Rosenkreuzer" wird weiterhin Hermes als uralter Weiser gefeiert, der das göttliche Wissen der Menschheit aus der Zeit vor der Sintflut für spätere Generationen gerettet habe.

 

Diese Vorstellung hat bis in die Gegenwart überdauert, denn wer sich in der heutigen Esoterik- und Okkultszene mal unbefangen umschaut wird erschreckt entdecken, dass die reale Existenz eines Hermes Trismegistos immer noch als Tatsache verkauft, sowie der Glaube an eine uralte, wenn nicht sogar atlantische Lehre in diversen okkulten Orden, Zirkeln und abstrusen Büchern ausgesprochen kritikresistent propagiert wird.

 

Erkennen könne dies jedoch freilich nur der Eingeweihte, logo!

 

Da nützt es auch nichts, dass anfangs des 19. Jahrhunderts Jean-François Champollion (1790 – 1832) die Hieroglyphen entzifferte. Weder er noch Forscher nach ihm fanden in den bis dahin so geheimnisvollen Texten der Ägypter eindeutige Hinweise auf hermetisches Wissen.

 

Die esoterisch-okkulten Schwarmgeister bleiben auch heute noch zu gerne bei ihrem Glauben.

 

 

 

 

Hier nun einige erbauliche Texte aus dem "Corpus Hermeticum".

 

(Mensch Göttin, was bin ich froh, dass von den 36`525 Büchern 36`508 Bücher verloren gegangen sind, so dass ich hier, nebst der Tabula Smaragdina und dem Kybalion, nur 17 Traktätlein veröffentlichen muss, uffff...!!!)

 

Das Kybalion

Die Smaragdtafel des Hermes Trismegistos

 

 

Die siebzehn Bücher des Hermes Trismegistos

Das erste Buch - Poimandres

Das andere Buch Hermetis - Das Gemüt an Hermes

Das dritte Buch - Die Sermon oder Rede

Das vierte Buch - Die geheiligte Rede Hermetis Trismegisti

Das fünfte Buch - Von der Gottseligkeit und der Liebe zur Wahrheit

Das sechste Buch - Eine allgemeine Rede Hermetis Trismegisti an Asclepium

Das siebente Buch - Der Becher oder Einheit an Tatium

Das achte Buch - Dass der unoffenbarte Gott am alleroffenbarlichsten sei

Das neunte Buch - Dass von den wesentlichen Dingen nichts untergeht

Das zehnte Buch - Dass das Gute alleine Gott ist

Das elfte Buch - Von der Besinnung und dem Verstand

Das zwölfte Buch - Schlüssel an Tatium

Das dreizehnte Buch - Von dem gemeinen Gemüt

Das vierzehnte Buch - Die verborgene Rede auf dem Berge

Das fünfzehnte Buch - Recht weise zu sein

Das sechzehnte Buch - Von den Seelen

Das siebzehnte Buch - Von der Wahrheit