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Das elfte Buch
Hermetis
Trismegisti Rede an Asclepium
Von der Besinnung und dem Verstand

estern,
lieber Asclepi! habe ich eine vollkommene Rede geführt, jetzt halte ich nötig,
solches zu verfolgen und auch eine Rede von dem Besinnen vorzubringen.
Denn die Besinnung
und der Verstand scheinen unterschieden zu sein, weil jene materialisch und
dieser wesentlich ist.
Aber mich dünkt,
dass sie beide vereinigt und ungeschieden sind, nämlich in dem Menschen, denn in
den anderen Tieren ist der Sinn, aber in den Menschen der Verstand mit der Natur
vereinigt.
Es ist aber von
dem Verstand das Gemüt unterschieden, gleich als GOTT von der Gottheit
unterschieden ist, denn die Gottheit wird von GOTT, der Verstand aber von dem
Gemüt.
Der Verstand ist
eine Schwester der Rede, und das eine ist das Werkzeug des andern: Denn die Rede
wird ohne den Verstand nicht ausgesprochen, noch der Verstand ohne die Rede
offenbar.
Daher fliessen
beide zugleich in den Menschen, der Sinn und Verstand, und sind aneinander
gleichsam zusammen
geflochten, denn es ist unmöglich, ohne den Sinn zu verstehen,
noch unmöglich, ohne Verstand zu sinnen.
Dennoch ist es
möglich, dass der Verstand ohne den Sinn kann verstehen, gleich als bei denen,
welchen im Traume Gesichte vorkommen.
Wiewohl ich dafür
halte, dass in solchen Gesichten der Träume auch die Werke geschehen, denn der
Sinn wird aus dem Schlaf in ein Wachen aufgeweckt.
Der Mensch wird
geteilt in Leib und Seele, und wenn beide Teile der Sinne zusammenstimmen, so
wird der Verstand ausgesprochen, der von dem Gemüte geboren ist.
Denn das Gemüt
geht mit allen Gedanken schwanger: Mit guten, wenn dasselbe den Samen von GOTT
empfängt, im Gegenteil aber mit bösen, wenn es von den Dämonen den Samen
empfängt, denn kein Ding auf der Welt ist ledig von dem Dämon.
Wenn er sich
einschleicht, so streut er den Samen seiner eigenen Werke und wenn das Gemüt
also bestreut ist, so wird es schwanger mit Ehebruch, Totschlag, Vatermord, Raub
der göttlichen Ehre, Gottlosigkeit, dass man sich solle erwürgen, von einer Höhe
herunter werfen und mit allen den Werken, welche von dem bösen Dämon entstehen.
Denn die Samen
GOTTes sind wenig, welche gleichwohl gross und herrlich und gut sind, nämlich
die Jugend, die Mässigkeit, die Gottseligkeit und die Erkenntnis GOTTes.
Welcher denselben
kennt, der wird angefüllt mit allem Guten und hat göttliche Gedanken, welche den
gemeinen ganz nicht gleich sind.
Daher diejenigen,
welche in solcher Erkenntnis sind, weder dem gemeinen Volke gefallen, weder auch
selbst an dem gemeinen Volke ein Gefallen haben, sondern man hält sie für
unsinnig, die man nur auslacht, die man verachtet, auch wohl gar um das Leben
bringt.
Denn wir haben
gesagt, dass das Böse hier muss wohnen, allwo es in seinem eigenen Platze ist,
denn sein Platz ist die Erde, nicht die Welt, als etliche GOTTes Lästerer sagen.
Ein gottseliger Mensch aber wird es alles nicht achten und an der Erkenntnis
hängen bleiben, denn ihm sind alle Dinge gut, die schon andern böse sind, und
wenn er bei sich beratschlagt, bringt er alles zu der Erkenntnis und welches zu
verwundern ist, er allein macht aus dem Bösen Gutes.
Ich kehre mich
auch wieder zu der Rede von dem Sinn, es ist dem Menschen eigen, dass seine
Sinne an dem Verstand teilnehmen, aber nicht ein jeder Mensch, wie zuvor gesagt
ist, geniesst den Verstand, weil einer materialisch, der andere wesentlich ist.
Der Materialische
ist bös, wie gesagt ist, und hat den Samen des Verstandes von den Dämonen, aber
die mit dem Guten wesentlich gut sind, die werden durch GOTT erhalten.
Denn GOTT ist von
Natur der Werkmeister aller Dinge, wenn nun GOTT von Natur alle Dinge wirkt, so
macht er sie ihm auch gleich, wenn sie aber also gleich als gut sind geworden,
so sind sie in dem Gebrauch der Wirkung unfruchtbar, denn die Bewegung der Welt,
welche die Geburt verursacht, macht solche, so wie sie sind, etliche besudelt
mit dem Bösen und etliche gereinigt durch das Gute.
Denn die Welt,
lieber Asclepi! hat ihren eigenen Sinn und Verstand, ist nicht gleich dem Sinn
und Verstand des Menschen, auch nicht so mannigfaltig, aber viel vortrefflicher
und einfältiger.
Denn der Sinn und
Verstand der Welt ist einzig und allein dieser: Alles zu machen und in sich
selbst wiederum zunichte zu machen. Ein Werkzeug des Willen GOTTes und also
zugerichtet, dass es (als allen Samen von GOTT empfangend und sich bewahrend)
alle Dinge offenbar macht und wiederum (auflösend) alle Dinge erneuert, welche
auch deshalb, nachdem sie aufgelöst sind, als wie ein guter Sämann des Lebens
durch das Werfen des Samens Erneuerung geben an die Dinge, die geboren werden.
Es ist nichts,
welches nicht mit Leben von ihr geboren wird, und durch ihre Bewegung macht sie
(nämlich die Welt) alles lebendig, sie ist zugleich der Platz und der
Werkmeister des Lebens.
Die Leiber aber,
die von der Materie bestehen, haben einen Unterschied, denn etliche sind aus der
Erde, etliche aus dem Wasser, etliche aus der Luft, etliche aus dem Feuer, sie
sind aber sämtlich zusammengesetzt, etliche mehr, etliche weniger, nämlich die
schweren mehr und die leichten weniger.
Die
Geschwindigkeit aber derselben Bewegung wirkt die Mannigfaltigkeit der Geburten,
denn weil es ein dichter Geist, so gibt sie an die Leiber die Eigenschaften mit
einer einzigen Vollheit des Lebens.
Denn GOTT ist ein
Vater von der Welt, die Welt aber ein Vater der Dinge, die in der Welt sind, und
die Welt ist ein Sohn GOTTes, aber was in der Welt ist, ist ein Sohn von der
Welt.
Und die Welt ist
billig Kosmos (schön) genannt worden, weil sie alles aufprunkt und ausziert mit
mannigfaltigen Geburten, mit einem unaufhörlichen Leben, mit unablässigem
Wirken, mit Geschwindigkeit des natürlichen Laufes, mit der Vermengung der
Elemente und mit Ordnung der geborenen Dinge, also wird die Welt billig ihrer
Eigenschaft wegen Kosmos genannt.
So kommen nun in
allen Tieren der Sinn und Verstand von auswendig als eingeblasen von der
umfassenden Welt, aber die Welt (sobald sie wurde) hat solches von GOTT
empfangen, welches sie fortan auch behält.
Aber GOTT ist
nicht, wie etliche meinen, ohne Sinn und ohne Verstand, sie lästern aus einem
Aberglauben.
Denn alle Dinge,
die da sind, lieber Asclepi, die sind in GOTT und werden von GOTT und hängen an
ihm, etliche wirkend durch die Leiber, etliche bewegend durch das Wesen der
Seele, etliche lebendig machend durch den Geist und etliche aufnehmend, was
ermüdet ist, und das mit Recht.
Denn ich sage
nicht, dass Er dieselben Dinge nicht hat, sondern ich sage vielmehr, was wahr
ist, Er ist alles, ohne dass er aussen etwas an sich nimmt, sondern dass er
alles, alles auswärts von sich gibt.
Und dieses ist der
Sinn und Verstand GOTTes, dass er alle Dinge allezeit bewegt, und es wird nimmer
eine Zeit kommen, da etwas von solchen wesenden Dingen vermöchte unterzugehen.
Doch wenn ich von
solchen wesenden Dingen spreche, so meine ich die wesenden Dinge GOTTes: Denn
GOTT hat die wesenden Dinge,
keine sind ausser ihm, und er ist ausser keinem.
Lieber Asclepi! Im
Fall du dies wirst verstehen, so wirst du dasselbe für wahr halten, aber wenn du
es nicht erkennst, für unglaublich schätzen, denn ein Ding verstehen ist ein
Ding glauben, aber nicht verstehen ist nicht glauben.
Denn meine Rede
reicht an die Wahrheit, auch ist das Gemüt gross, und wenn es einigermassen von
der Rede geleitet wird, so kann es die Wahrheit erreichen, und wenn es um und um
alles versteht und gleichstimmig findet mit dem, das die Rede auslegt, dann
glaubt es und ruht in dem herrlichen Glauben.
Deshalb wer das,
was wir von GOTT gesprochen, verstanden hat, für denselben ist solches
glaublich, aber die es nicht haben verstanden, denen ist es unglaublich. Dieses
und soviel sei vom Verstande und vom Sinne zu sagen.


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