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Das zwölfte Buch
Hermetis Trismegisti
Schlüssel an Tatium

ie gestrige Rede, Asclepi, habe ich dir
zugeeignet, nun ist es billig, dass die heutige Tatio zueigne, weil solche auch
von den allgemeinen Reden, die zu ihm gesprochen sind, ein kurzer Begriff ist.
Lieber Tati! GOTT der Vater und das Gute
hat einerlei Natur oder vielmehr einerlei Wirkung.
Denn dies ist der Name der Natur, ihres
Abgangs und Anwachsung, welche sind bei den Veränderlichen und
Unveränderlichen, Beweglichen und Unbeweglichen, das ist göttlichen und
menschlichen Dingen, von welchen einem jeden insonderheit er will, dass sie sind.
Die Wirkung aber in den göttlichen und
menschlichen Dingen (wie wir auch gelehrt haben) ist von anderswoher, welche
Dinge wir hierbei müssen verstehen.
Denn seine Wirkung ist sein Wille, und
sein Wesen ist begehren, dass alles sei.
Denn was ist GOTT und der Vater und das
Gute anders, als dass die Dinge, die da noch nicht sind, ins Wesen gestellt
werden, ja er ist das Wesen selbst der wesenden Dinge, dieses ist GOTT, dieses
ist der Vater, dieses ist das Gute, bei welchem nichts anders von andern Dingen
gefunden wird. Denn die Welt und die Sonne ist wohl zwar Teilhaftigkeit auch ein
Vater, aber nicht eine Ursache von gleicher Würde, dass die Tiere das Gute und
das Leben haben. Aus diesem will folgen, dass dieselbe ganz und gar von dem
Willen des Guten oder GOTTes beschlossen werde, weil ohne denselben nichts sehen
noch geboren werden kann, aber dieser Vater als die Ursache der Söhne empfängt
die Begierde des Guten, des Samens und der Speise oder der Nahrung durch die
Sonne.
Denn das Gute ist dasjenige, das da wirkt,
welches unmöglich ist, dass es sonst bei einem andern vermag zu sein als einzig
bei dem allein, welcher nichts an sich nimmt und doch will, dass alles sei.
Lieber Tati, ich sage nicht, dass er alles
macht, denn der es macht, dem mangelt öfters, indem er dieses macht und das
andere nicht macht, an Eigenschaft und Grösse, denn die Dinge, welche Grösse und
Eigenschaft haben, haben auch bisweilen widerwärtige Art.
Aber GOTT und der Vater und das Gute, von
dem alle Dinge sind (wer nur dieselben auf diese Art ansehen kann, denn so will
er's haben, dass es sein soll, und so ist es auch sowohl um sein als um der Sache
wegen, denn alle anderen Dinge sind darum gemacht, weil die Eigenschaft des
Guten ist, erkannt zu werden), o Tatius, das ist das Gute. O Vater, du hast uns
mit einer guten und allerherrlichsten Betrachtung angefüllt, und das Auge meines
Gemütes ist nun von einer solchen Betrachtung beinahe geheiligt worden, denn
gleich wie die feurigen Strahlen der Sonne mit ihrem Einscheinen die Augen
verfinstern, also machts nicht das Gesicht eines so guten Wesens, sondern es
erleuchtet und vermehrt im Gegenteil das Licht der Augen soviel, als jemand den
Einfluss des verständlichen Lichtes kann fassen: Denn dasselbe ist subtil und
scharf zu durchdringen und voll von aller Reinheit und Unsterblichkeit.
Derjenige, der etwas überflüssig von
solchen Gesichten vermag zu fassen, der entschläft oftmals ausser dem Leibe in
das allerherrlichste Anschauen, welches unsere Voreltern Coelius und Saturnus
bekommen haben.
Wollte GOTT, lieber Vater, dass wir solches
auch verlangten! Oh, dass GOTT wollte, mein Sohn! Aber jetzt sind wir nicht wohl
bequem zu Gesichtern und können die Augen des Gemütes noch nicht auftun und die
unverderbliche und unbegreifliche Herrlichkeit von einem so guten Wesen
anschauen. Aber wenn wir nichts mehr von demselben werden haben zu sprechen,
alsdann wirst du solches sehen, denn desselben Erkenntnis ist eine göttliche
Stille und eine Ruhe aller Sinne. Denn welcher auf dieselbe Acht hat, der kann
nicht auf etwas anderes Acht haben, noch der sie anschaut, etwas anders
anschauen, noch auf etwas anders hören, auch seinen Leib ganz nicht bewegen.
Denn er ruht entbunden von allen
leiblichen Sinnen und Bewegungen, aber das Licht, welches um und um das ganze
Gemüt leuchtet, erleuchtet auch die ganze Seele und nimmt sie auf aus dem Leibe
und verwandelt dieselbe ganz und gar in das Wesen GOTTes.
Denn dies ist möglich, lieber Sohn, dass
die Seele in des Menschen Leib kann vergöttert werden, wenn sie nämlich die
Herrlichkeit des Guten ansieht.
Was ist das Vergöttern, wie meinst du das,
Vater?
Eine jede Seele hat ihre Scheidung, lieber
Sohn.
Aber wie verteilst du weiter ihre
Verwandlung?
Hast du aus der Hauptrede nicht gehört,
dass allein von einer (von der Seele des ganzen Wesens) alle Seelen kommen,
welche also in der ganzen Welt umschweben, gleichsam verteilt.
Diese Seelen haben viele Verwandlungen,
etliche in einen seligen, aber etliche in einen widerwärtigen Stand.
Denn welche kriechend sind, die werden in
Wässerigkeit verwandelt, die wässerigen in irdische, die irdischen in
fliegende, die luftigen in Menschen, aber die menschliche Seele, welche der
Unsterblichkeit teilhaftig worden, in Dämonen: Dieselben gehen alsdann hernach
in die Schar der unwandelbaren Götter.
Denn es sind zwei Scharen der Götter, die
eine der umwandelnden, die andere der unwandelbaren, und dieses ist die
allervollkommenste Herrlichkeit der Seelen.
Wenn aber die Seele, die in des Menschen
Leib ist eingegangen, böse bleibt, so schmeckt dieselbe die Unsterblichkeit
nicht, kann auch des guten Wesens nicht teilhaftig werden, sondern sie geht den
Rückweg und kehret wiederum in das Kriechende, und das ist die Verdammnis der
bösen Seelen.
Das Böse der Seelen aber ist die
Unerkenntnis, denn welche Seele nichts erkennt von den wesenden Dingen, noch die
Natur derselben, noch das Gute, dieselbe ist blind und fällt in des Leibes
Leidenschaft, wird ein böser Dämon, erkennt sich selbst nicht, dient fremden und
schweren Leibern und trägt den Leib als eine Last, über welche sie nicht
herrscht, sondern von demselben beherrscht wird, und das ist das Übel der
Seelen.
Dahingegen ist die Tugend der Seelen die
Erkenntnis: Denn welche erkennt, dieselbe ist gut, selig und ganz göttlich.
Wer ist ein solcher?
Ein solcher ist der, welcher nicht viel
spricht noch viel hört, denn welcher mit zwei Reden beschäftigt ist, lieber
Sohn, der ficht wider den Schatten: Denn GOTT und der Vater und das Gute wird
weder ausgesprochen weder gehört.
Nachdem dieses sich also verhält, so ist
in allen wesenden Dingen der Sinn, weil sie ohne denselben nicht können sein.
Aber die Erkenntnis ist weit unterschieden
von dem Sinn, denn der Sinn ist das Ende der Macht und die Erkenntnis das Ende
der Wissenschaft, die Wissenschaft ist eine Gabe GOTTes.
Denn alle Wissenschaft ist unleiblich, und
sie gebraucht das Gemüt zu einem Werkzeug und das Gemüt den Leib, also gehen sie
beide in verständliche und materialische Leiber.
Denn aus der Gegenstellung und
Widerwärtigkeit müssen alle Dinge bestehen, und es ist unmöglich, dass es anders
sein kann.
Wer ist denn derselbe materialische GOTT?
Die herrliche Welt, welche dennoch nicht
gut ist, denn sie ist materialisch und der Leidenschaft unterworfen: Ja, das
erste der leidenden Dinge und das zweite der wesenden und an sich selbst
gebrechlich: auch ist sie einmal geboren, ist aber allezeit.
Weil denn dieselbe allezeit gebärend ist
und allezeit geboren wird, so ist sie die Geburt der Dinge, welche der
Eigenschaft und Grösse teilhaftig sind: Denn sie ist beweglich, jede
materialische Bewegung aber ist eine Geburt.
Die verständliche Standfestigkeit aber
bewegt die materialische Bewegung auf eine solche Weise: Die Welt ist eine
Kugel, nämlich das Haupt. Über dem Haupte ist nichts Materialisches, gleichwie
unter den Füssen nichts Intellektualisches oder Ständliches ist, sondern es ist
alles materialisch.
Das Gemüt ist das Haupt, das wird auf
kugelige Art bewegt, wie das Haupt bewegt wird.
Welche Dinge nun nahe bei dem Häutigen von
diesem Haupte sind, in welchem die Seele ist, dieselben sind unsterblich, als
welche eine Seele haben, die voll Leibes ist, weil der Leib ihnen zur Seele ist
gemacht.
Aber die Dinge, welche ferne von dem
Häutigen entlegen sind, von welchen diejenigen sind, die mehr Teil haben an der
Seele, solche sind ein Leib.
Denn ein jedes Tier, gleichwie dies alles,
besteht aus einem materialischen und verständlichen Ding.
Und die Welt ist das erste Tier oder
Geschöpf, der Mensch aber das zweite, dennoch unter den sterblichen Tieren das
erste, und welches da hat das lebendige Wesen unter allen andern: Derselbe aber
ist nicht alleine nicht gut, sondern noch böse dazu, weil er sterblich ist.
Die Welt ist auch wohl nicht gut, weil sie
beweglich ist, doch gleichwohl nicht böse, weil sie unsterblich ist, aber der
Mensch ist böse, weil er beides, beweglich und unsterblich, ist.
Die Seele aber der Menschen wird also
bewegt, nämlich das Gemüt in der Rede, die Rede in der Seele, die Seele in dem
Geist, der Geist in dem Leib.
Derselbe Geist, welcher durch die Adern
und Lungenpfeifen und durch das Blut durchdringt, bewegt das Tier und trägt
einigermassen dasselbe.
Daher kommt es, dass etliche haben gemeint,
dass das Blut selbst die Seele sei, welche denn in der Natur geirrt haben und
nicht gewusst, dass vorerst der Geist wiederum in die Seele muss kehren und dass
alsdann das Blut zusammenrinnen und die Luftröhren ledig müssen werden und
alsdann das Tier vergehen muss, welches denn ist der Tod des Leibes.
Alle Dinge hängen alleine an einem
einzigen Anfang und der Anfang an dem einen und allein Wesenden. Der Anfang wird
bewegt, dass er also wiederum ein Anfang werde, aber das eine bleibt standfest
und wird nicht bewegt.
Also sind ihrer drei, GOTT, der Vater, das
Gute: Und die Welt und der Mensch: GOTT hat die Welt und die Welt den Menschen:
Die Welt wird GOTTes Sohn, aber der Mensch gleich als die Geburt der Welt.
Der Mensch ist GOTT nicht unbekannt,
sondern er kennt denselben gar wohl und will auch selbst erkannt sein.
Und dies ist einzig und allein des
Menschen Heil, wenn er GOTT erkennt, es ist die Auffahrt zum Himmel: Hierdurch
alleine wird die Seele gut und nicht die eine Zeit gut und die andere Zeit böse,
sondern notwendig.
Was ist da zu sagen, Tris-Megiste?
Sohn! Betrachte die Seele eines Kindes,
welche von der Auflösung des Leibes noch frei ist, weil der Leib noch klein und
noch ganz vollwachsen ist, wie herrlich sie allenthalben anzusehen und mit den
Gebrechen des Leibes ganz nicht befleckt, beinahe noch an der Seele der Welt
hängend.
Aber wenn der Leib schwer und die Seele
überlästigt wird, zieht er die Seele ab in die Vergessenheit der Geburt und hat
kein Teil mehr an dem herrlichen guten Wesen, die Vergessenheit demnach ist das
Böse.
Dasselbe begegnet auch denen, die in den
Leib gehen: Denn wenn die Seele wiederum in sich selbst geht, so wird der Geist
ins Blut zusammengezogen und die Seele in den Geist.
Aber das Gemüt, welches von den
Überkleidungen ist gereinigt worden und von Natur göttlich ist, bekommt einen
feurigen Leib und durchgeht alle Plätze und überlässt die Seele dem Gericht,
welches nach ihrem Verdienst ist. Wie sagst du das, Vater? Wird das Gemüt von
der Seele und die Seele von dem Geist abgesondert? Hast du nicht gesagt, dass die
Seele des Gemütes und der Geist der Seelen Bekleidung und Überzug sei?
Lieber Sohn! Der da hört, derselbe muss mit
dem, der da spricht, einerlei Verstand haben und mit ihm gleichstimmig sein, ja
noch ein schärfer Gehör haben als die Stimme des Sprechenden ist.
Die Bereitung dieser Bekleidung, geliebter
Sohn, geschieht im irdischen Leibe. Denn es ist unmöglich, dass das Gemüt sich
selbst nackend durch sich selbst in den irdischen Leib stelle. Denn es ist nicht
möglich, dass ein irdischer Leib eine so grosse Unsterblichkeit tragen noch dass
ein gebrechlicher Leib eine solche Kraft dulden kann.
Darum denn hat das Gemüt die Seele
angenommen, gleich als eine Umzäunung: Die Seele aber (welche selbst auch
göttlich ist) gebraucht den Geist als ihren Diener, und der Geist regiert das
Tier.
Deshalb, wenn das Gemüt aus dem irdischen
Leibe ist entwichen, so zieht es alsbald seinen eigenen feurigen Rock an,
welchen es nicht könnte dem irdischen Leib anziehen. Denn die Erde erträgt das
Feuer nicht, zumal auch die ganze Erde von einem kleinen Funken verbrennt: Daher
ist es auch, dass das Wasser die Erde umringt, gleich als eine Festung und Mauer,
welche gegen die Flamme des Feuers gesetzt ist. Also hat nun das Gemüt, welches
das allergeschwindeste ist und geschwinder als alle Elemente, das Feuer zu
seinem Leibe. Denn wenn das Gemüt der Werkmeister ist aller Dinge, so gebraucht
es zu seiner Wirkung das Feuer gleich als ein Werkzeug: Das Gemüt alles Wesens
gebraucht dasselbe zur Auswirkung aller Dinge, das Gemüt des Menschen aber
alleine zur Auswirkung der irdischen Dinge. Denn wenn das irdische Gemüt von dem
Feuer entblösst ist, so vermag es keine göttliche Wirkung zu wirken, weil es
menschlich ist in seiner Wirkung.
Die menschliche Seele (aber nicht alle,
sondern die gottselige) ist dennoch dämonisch und göttlich.
Eine solche Seele, die den Kampf der
Gottseligkeit hat gekämpft, dieselbe wird demzufolge, wenn sie aus dem Leibe
geschieden, entweder ein Gemüt oder GOTT.
Der Kampf der Gottseligkeit aber ist GOTT
erkennen und keinem Menschen Unrecht tun, und die Seele, welche also ist, die
wird zu einem Gemüt.
Aber die gottlose Seele bleibt in ihrem
eignen Wesen und peinigt sich selbst und sucht für sich einen irdischen Leib,
darin sie gehen mag, nämlich den Menschen.
Denn einen andern Leib kann eine
menschliche Seele nicht fassen, die Gerechtigkeit lässt es auch nicht zu, dass
eine menschliche Seele sollte in ein unvernünftiges Tier kommen: Denn GOTTes
Gesetze befreien die menschliche Seele von einer so grossen Schande.
Vater, wie wird denn die
menschliche Seele
gepeinigt, und welches ist die grösste Peinigung der menschlichen Seele?
Die Gottlosigkeit, lieber Sohn! Denn
welches Feuer hat so grosse Flammen, als die Gottlosigkeit die Seele beschädigt?
Oder siehst du nicht, wie gross das Übel
ist, welches die gottlose Seele leidet, welche da ruft und schreit, ich brenne,
das Feuer verschlingt mich: Ich weiss nicht, was ich sprechen, was ich tun soll:
Ich unseliger Dämon werde ganz verzehrt von dem Jammer, der mich umzingelt, ich
Elende kann weder sehen noch hören: Dies sind die Klagen von einer gepeinigten
Seele.
Nicht so, gleichwie du, lieber Sohn, und
der gemeine Mann meint, dass nämlich die Seele, wenn sie aus dem Leibe scheidet,
in ein unvernünftig Tier eingeht, welches die grösste Irrung ist, sondern die
Seele wird auf eine sogestalte Weise gepeinigt.
Wenn das Gemüt einen feurigen Leib
bekommt, so wird es geordiniert zu dem Dienste GOTTes, wenn aber dasselbe in
eine gottlose Seele eingeht, so geisselt es dieselbe mit der Geissel der Sünden.
Wenn die gottlose Seele hiermit gegeisselt
wird, so wendet sie sich zum Totschlag, zum Schelten, zum Gotteslästern und zu vielerhand Gewalttätigkeiten und zu mehr andern Dingen, wodurch die Menschen
beschädigt werden.
Aber wenn das Gemüt in eine gottselige
Seele ist eingegangen, so führt es dieselbe zu dem Lichte der Erkenntnis. Und
eine solche Seele wird nimmer matt noch müde, alle Menschen zu rühmen und zu
segnen, sie tut ihnen überall Gutes, beides mit Worten und Werken, damit also
ihrem Vater nachfolgend.
Deshalb, lieber Sohn, müssen wir GOTT Dank
sagen und bitten, dass wir solches so gutes Gemüt mögen bekommen.
Die Seele geht wohl in ein Vortreffliches,
aber es ist unmöglich, dass sie kann in ein Schlechteres gehen, sonst ist da wohl
eine Gemeinschaft unter den Seelen.
Die Seelen der Götter haben Gemeinschaft
mit den Seelen der Menschen, die Seelen der Menschen mit den Seelen der
unvernünftigen Tiere.
Die Vortrefflichsten sorgen für die
Geringeren, nämlich die Götter (Regenten oder Planeten) für die Menschen, die
Menschen für die unvernünftigen Tiere, aber GOTT für alle Dinge, denn dieser
ist vortrefflicher denn alle Dinge und alle Dinge geringer als Er.
Die Welt ist GOTT unterworfen, der Mensch
der Welt, die unvernünftigen Tiere dem Menschen, aber GOTT ist über alles und
rund um alle Dinge.
Die Strahlen GOTTes sind Wirkungen, die
Strahlen der Welt sind Naturen, aber die Strahlen der Menschen sind Künste und
Wissenschaften.
Die Kräfte wirken durch die Welt und in
den Menschen durch die natürlichen Strahlen der Welt, die Naturen durch die
Elemente, aber der Mensch durch die Künste und Wissenschaften.
Und dies ist das Regiment des ganzen
Wesens, welches hängt an der einen Natur und ist durchdringend bis an das
einzige Gemüt, über welches nichts Göttliches, nichts mehr Wirkendes, nichts
mehr Vereinigendes ist.
Durch dasselbe ist die Gemeinschaft der
Menschen mit den Göttern und der Götter mit den Menschen, das ist der gute
Dämon, selig ist die Seele, die von demselben voll ist, aber unselig ist die
Seele, die dessen ledig ist.
Wie sprichst du wiederum also, lieber
Vater?
Du musst wissen, lieber Sohn! dass alle
Seelen ein gutes Gemüt haben, denn hiervon ist unsere Rede: nicht von dem
Knecht, von welchem wir zuvor haben gesagt, welcher dem Gerichte wird übergeben.
Denn die Seele ohne Gemüt kann nichts
sprechen noch etwas tun: Denn das Gemüt entfliesst öfters aus der Seele und zu
der Zeit ist die Seele weder sehend noch hörend, sondern gleich als etwas
Unvernünftiges.
Und so eine grosse Gewalt ist bei dem
Gemüt: Doch hält es sich nicht auf in einer nachlässigen Seele, sondern es verlässt eine solche Seele, die an den Leib ist gebunden und von demselben
hinunter wird gezogen.
Eine solche Seele, lieber Sohn! hat gar
nicht das Gemüt, darum muss man auch einen solchen keinen Menschen nennen.
Denn ein Mensch ist ein göttliches Tier
und wird mit den unvernünftigen Tieren ganz nicht verglichen (nämlich mit denen,
die auf Erden sind), sondern mit denen, die droben sind und Götter genannt
werden.
Ja, wenn es erlaubt ist, die Wahrheit
freier zu sprechen, so ist derjenige, welcher in Wahrheit ein Mensch ist, auch
hoher denn dieselben, oder sie sind doch ganz und gar an Gewalt einander gleich.
Denn niemand wird von denjenigen, die in
dem Himmel sind, herunter auf die Erde fahren und die Grenze des Himmels
verlassen, aber der Mensch fährt gen Himmel und misst denselben und weiss, wie
dessen oberste und unterste Dinge gestaltet sind, untersucht auch alle anderen
Dinge ganz gründlich.
Und es ist das allergrösste, dass er die
Erde nicht verlässt und gleichwohl in die Höhe erhoben wird, so gross ist die
Grösse seiner Natur.
Darum mag man wohl sagen, dass der irdische
Mensch ein sterblicher GOTT und der himmlische GOTT, die Welt, ein unsterblicher
Mensch sei.
Also werden durch diese zwei, nämlich
durch die Welt und durch die Menschen, alle Dinge regiert: doch von dem Einen
alles.


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