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Wer wär nicht gern `nen Meister
oder `ne Meisterin?
Teil 3
Es
gibt nichts was der Wahrheit ähnlicher sieht als die Lüge,
dennoch ist nichts von der Wahrheit weiter entfernt als die Lüge.
Freakonomikon
mmer
noch erreichen mich wöchentlich tausende E-Mails von wahrhaft spirituell
Erwachten, die mit Gewinn meinen "Meister-Lehrkurs" in der gutgläubigen
Esoterik- und Religionsszene anzuwenden wissen und gute finanzielle Erfolge damit erzielen.
Teilweise werde ich aber in
letzter Zeit vermehrt gebetsmühlenhaft in den E-Mails darum gebeten und angefleht,
diverse Details, die in
vorhergehenden Kursen zu kurz gekommen sein sollen und der genaueren Darlegung
bedürfen, auszuarbeiten und zu offenbaren.
Ok, ich habe mir also meinen
"Meister-Lehrkurs" noch einmal zu Gemüte genommen (nun ist aber
Schluss damit!) und die von der Leserschaft gewünschten Details
dergestalt ausgearbeitet,
dass
nun auch ein Sonderschulabgänger mit dem IQ eines Magerquarks eine gut
funktionierende und vor allem finanziell lukrative okkulte oder religiöse
Vereinigung, in nützlicher Frist, aufzubauen vermag.

"Der
ultimative Schnell-Crash-Meister-Lehrkurs, der diesmal bestimmt keine Wünsche
mehr offen lässt!"
Zur Sache also!
Das Wichtigste zuerst: Suche
irgendwelche gutgläubige Menschen (wie in meinen beiden vorhergehenden
Lehrkursen beschrieben), die dich als Herr und Meister verehren oder anerkennen.
Dazu lerne am besten das folgenden Mantra: Je mehr, desto besser! Je naiver,
desto geeigneter! Je reicher, desto lieber!
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| Hier wäre ein
ideales Rekrutierungsgebiet... |
Lasse deine Verehrer glauben, du bist Gott. Wenn das nicht möglich ist, dann
sage, du bist Gottes
Stellvertreter. Wenn
dir auch das nicht
abgekauft wird, dann sage, sie bist der Stellvertreter von Gottes
Stellvertreter usw. Möglichst natürlich
jeweils der einzig wahre oder zumindest der höchste. Oder möchtest du dir
Konkurrenz schaffen?
Je nach der Veranlagung der Verehrer kannst du diese auch glauben machen, du
bist der wahre Kaiser des Landes. Oder ein Heiler. Oder ein Wissenschaftler.
Hauptsache, man folgt dir und spendet recht kräftig. Für die gute Sache ist dir
kein Mittel zu schlecht. Für dich gilt: Der Zweck heiligt alle Mittel.
Verspreche alles, aber
halte nichts. Oder besser: Dein von dir
eingesetzter Strohmann
verspricht alles, und du hältst nichts. Nutze
die Vorteile von Kooperation
und Arbeitsteilung.
Das Karrieresystem für deine
Anhänger ist einfach: Je mehr Geld oder neue Arbeitskräfte ein Anhänger
einbringt, desto fortgeschrittener ist er. Er ist das Vorbild, dem alle
nachstreben sollen. Lobe ihn, umarme ihn, stifte ihm ein Denkmal. Damit machst
du Druck auf deine Herde. Falls das Vorbild dann einmal alt oder krank wird,
dann werfe ihn unter irgendeinem Vorwand raus. Mit einem Sozialverein wirst du
sicherlich nicht reich. Jedenfalls nicht, wenn du ihn selbst finanzieren musst.
Das Karrieresystem für deine Anhänger muss unbedingt als Wohlfahrt,
Missionsarbeit oder als ein Dienst an der Menschheit getarnt werden, am besten
als die Rettung der ganzen weiten Welt, dann muss dir nämlich auch die ganze
weite Welt zu
Dank verpflichtet sein. Du kannst vielleicht auch gleich das ganze Universum
retten, wenn du denkst, es hört sich nicht
gerade zu übertrieben an.
Für dich ist eines sehr wichtig zu wissen: Der Schein, die Lüge, kann nur von
dem Sein, der Wahrheit, enttarnt werden.
Deswegen ist die Wahrheit dein grösster Feind. Bekämpfe dieses Übel, wo immer es
auftaucht. Vertusche es, mache es
lächerlich, kreische und hüpfe herum. Wenn deine Anhänger erst mal an die
Wahrheit zu glauben begonnen haben, dann ist es für dich zu spät.
Präge dir ein, dass du stets Recht hast und alle anderen Unrecht. Davon musst
du fest überzeugt sein. Die anderen haben nur dann Recht, wenn du es ihnen
erlaubst. Das ist dein höchstes Prinzip. Wer dir nicht zustimmt, der ist ganz
einfach ein
Teufel. Wie könnte es auch anderes sein?
Du bist das höchste strahlende Wesen und deine Anhänger sind die dir ergebenen
zweithöchsten strahlenden Wesen. Der Rest der Welt besteht aus Minderwertigen
und Teufeln. Die schlimmsten Teufel sind natürlich ehemalige Mitglieder, die es
gewagt haben, deinen selbstlosen, mütterlichen Schutz zu verlassen.
Weil du so hoch und strahlend
bist, ist es für dich völlig unmöglich, sich mit Minderwertigen und Teufeln zu
beschäftigen, solange diese dir nicht das "Gloria Halleluja" singen oder dir
grössere Spenden zukommen lassen. Ansonsten ist es die Aufgabe deiner Anhänger
mit solchem Pöbel zu verhandeln.
Teufel und Kritiker sollten möglichst durch Strohmänner bekämpft werden. Wenn
etwas schief geht, dann kannst du immer noch deine Bauern opfern.
Titel machen immer Eindruck,
besonders auch bei deinen potentiellen neuen Anhängern. Deswegen solltest du dir
besonders
  viele und eindrucksvolle besorgen. Eine gute und ergiebige Quelle für
geschwollene und fette Titel ist die Freimaurerei und das Rosen-kreutzertum. Und natürlich
muss deine überragende Stellung dadurch hervorgehoben werden. Lasse dich von
deinen Anhängern nur mit Formulierungen wie "Eure Allerheiligste
Hochwohlgeborene Eminenz" ansprechen. Wenn Gott selbst neben dir so unbedeutend
wie ein Kümmelzwerg aussieht, dann ist der Titel richtig.
Wenn es jemand wagt, dich nicht mit deinem offiziellen Titel anzusprechen, dann
tue einfach so, als würdest du ihn nicht hören. Du bist schliesslich nicht für
die mangelnde Bildung diverser Mindermenschen verantwortlich.
Deine erhabene Stellung kann an dieser Stelle nicht genug betont werden. Du bist
untadelig, so rein wie frisch gefallener
Schnee,
vollkommen und wunderbar in allem was du tust. Du hast dich um deine Stellung
wahrlich verdient gemacht. Wer könnte im Lichte deiner Errungenschaften
bestehen, ohne sich dir in einem Ausdruck schierer Bewunderung zu Füssen zu
werfen und dich aus voller Kehle zu preisen?
Damit es etwas zu preisen gibt, musst du natürlich deine Errungenschaften
(erfundene oder welche die dir eigentlich gar nicht angerechnet werden können)
mit lauter Fanfare immer wieder verkünden, bis du es selbst glaubst. Du rettest
schliesslich die Welt. Du führst die Menschheit zum Licht. Und so was muss man
doch bekannt machen. oder?
Sei kreativ. Selbst aus dem grössten Mist kann man noch Geld
machen,
wie schon die Alchemisten
verkündeten.
Verkaufe
dein Klowasser als Wunderheilmittel. Es macht überhaupt nichts, falls es sich
als unwirksam herausstellen sollte.
Schliesslich lebt auch die Haarwuchsmittelindustrie von ihren Produkten. Und was
die anderen können, das kannst du schon lange.
Verglichen mit dir, sind alle anderen Minderwertige. Was solche Minderlinge auch
sagen oder tun mögen - es ist nicht einmal der Erwähnung wert. Lasse dir von
denen ja nichts gefallen und rufe sogleich "Beleidigung! Ketzerei! Häresie! Auf
den Scheiterhaufen mit ihnen! Schneidet ihnen die Zunge raus!", wenn du glaubst,
nicht ausreichend gepriesen worden zu sein.
Du weisst
alles über deine Anhänger, aber besonders über alle jene Teufel, die dich nicht
preisen oder gar zu kritisieren wagen. Deine Kritiker sind nichts als
Alkoholiker, Nervenkranke, Verrückte, Spinner, Kriminelle und Perverse. Lasse
das jeden wissen, besonders deine Anhänger, ganz egal ob es nun der Wahrheit
entspricht oder nicht. Die Wahrheit bist schliesslich du selbst. Oder gibt es da
irgendeinen Zweifel? Wehe dem!
Kritik und Wahrheit können nur dann akzeptiert werden, wenn es deiner Sache
dienlich ist.
Beleidige und verspotte ruhig alle und jeden. Falls aber dich jemand beleidigt,
dann führe sofort die Inquisition ein (wenn du das bis jetzt immer noch nicht
getan hast).
Anhänger, die du zu gefährlich aussehenden Kampfameisen ausbilden lässt und die
sich stets in deiner Nähe aufhalten, haben in der Regel einen äusserst positiven
Einfluss auf potentielle Kritiker und wahrheitsliebende Zeitgenossen (Teufel).
Knurrende Bluthunde unterstreichen ebenso deine Autorität.
Für Probleme deiner Anhänger bist du selbst niemals verantwortlich. Wenn es
Fehler gibt, dann sind stets die Teufel und die Anhänger schuld, niemals aber du
selbst. Das ist ganz wichtig zu wissen. Am besten du schreibst ein Buch darüber,
das alle
 deine
Anhänger sich gegenseitig vorlesen, auswendig lernen und täglich verehren
müssen.
Behaupte, dein Buch würde auf der Bibel oder sonst angesehenen Schriften oder
Forschungsergebnissen basieren, auch
wenn dies gar nicht der Fall
ist. Schreibe ruhig deine ganzen Hirngespinste hinein, das ist alles nur zu
deinem Vorteil. Wenn deine Anhänger deinen Roman und deine hirnkranken Lehren
verteidigen müssen, dann bindest du sie so nur stärker an dich.
Verwende selbst ruhig okkulte Praktiken, Tricks und Betrug. Darauf stehen die
Leute. Mache so richtig Hokuspokus. Aber nicht vergessen - bei dir sind das
stets göttliche Prophezeiungen und Wunder. Bei anderen ist es immer teuflische
Wahrsagerei und schwarze Magie. Daran darf es für deine ergebenen Anhänger
überhaupt keine Zweifel geben.
Zweifel sind überhaupt nur erwünscht, wenn sie sich nicht auf dich beziehen.
Lasse deine Anhänger an allem zweifeln, nur nicht an dir. Sage ihnen ruhig, das
sie ihren Herrn und Meister prüfen sollen (wenn es sich beim Herrn und Meister
um andere handelt). Wehe dem, der etwa dich selbst prüft und es wagt, zu einem
negatives Ergebnis zu kommen. Das ist dann ganz sicher ein ganz ein schlimmer
Teufel.
Umsonst gibt es bei dir überhaupt nichts. Ausser es ist gut fürs Image. Dann
vielleicht.
Wenn anderen Schlechtes widerfährt, dann ist das eine Strafe für deren
Missetaten. Wenn dir selber Schlechtes widerfährt, dann ist es die Schuld der
anderen.
Blinder Glaube ist das A und O deines Geschäftes. Deswegen musst du deine
Anhänger stets in Unwissenheit lassen. Verhänge eine Informationssperre.
Praktiziere ordentlich Zensur. Sage, dies alles sei zum Wohle der Anhänger.
Sage, du bist für alles offen und es gäbe bei dir keine Informationssperre oder
Zensur. Du würdest nur Unwahrheiten und für deine Anhänger negative Dinge
blockieren und das sei dein gutes Recht und würde von deinen Anhängern so
gewünscht. Was Unwahrheiten und negative Dinge sind, das bestimmst natürlich nur
du. Aber das muss ja niemand wissen.
Gründe deine eigene Sektenberatung und finanziere dir treu ergebene
Sektenberater und -beauftragte.
Baldige Weltuntergänge (stets zwei oder drei Jahre entfernte) wirken sich
hervorragend auf den Missionseifer und die Spendenfreudigkeit deiner Anhänger
aus.
Ob mit oder ohne baldigen Weltuntergang - erzeuge ordentlich Druck. Deine
Anhänger müssen sich beeilen, bevor es zu spät ist. Mit dem Beitritt, mit dem
Spenden, mit der Bekehrung der Welt usw.
Wenn der Weltuntergang trotz aller Erwartungen nicht eintreten sollte, kannst du
immer noch sagen, der
Weltvernichter hätte
aufgrund deiner Bemühungen und den Bemühungen deine r
Anhängern den
Weltuntergang e in
paar Jahre verschoben.
Die Propaganda-Abteilung ist eine deiner wichtigsten. Die nächst wichtigste ist
die Rechtsabteilung,
die ehemalige Anhänger, Kritiker und andere Teufel beschäftigt.
Das allerwichtigste ist aber ein fettes Bankkonto im Ausland, von dem nur du
etwas weisst.
Immobilien sind auch gut. Fordere von deinen Anhängern Entsagung und Aufopferung
und lebe selbst wie ein Kaiser.
Die Psychologie und die Werbebranche liefern stets Nachschub an neuen
interessanten Methoden zur Manipulation von Menschen. Auch die Lehren
Machiavellis sind eine stete Quelle neuer Inspiration.
Dich nicht zu akzeptieren, bedeutet Gott selbst oder die neuesten
wissenschaftlichen Erkenntnisse nicht zu akzeptieren. Dich zu beleidigen,
bedeutet Gott selbst zu beleidigen. Wer mit dir nicht übereinstimmt, der stimmt
mit den höchsten Kapazitäten der Wissenschaft nicht überein. Es ist einfach
deine Pflicht, das Edle (dich selbst) zu verteidigen oder besser verteidigen zu
lassen. Schlage dich zum Ritter, wenn es sein muss.
Sei nicht dumm und sorge vor. Selbst der beste Bluff fliegt möglicherweise
einmal auf. Wenn der Hut brennt, dann solltest du dich schnellstens auf die
Socken machen. Packe die Kasse unter den einen Arm, eine(n) hübsche(n) Anhänger
(in) unter den anderen und setzen sich irgendwo auf einer Insel zur Ruhe.


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