Die Teile der Seele

 

Wenn es richtig ist,

was die Schrift sagt:

"Die Wahrheit wächst auf der Erde."

Warum hebt sie niemand auf? Sie ist doch ein so seltener Gegenstand?

Die Antwort aber ist diese: "Es will sich niemand so tief bücken!"

Israel ben Elieser, der Baalschem-tow

 

 

ie Kabbala unterteilt die Seele in drei grundlegende Teile.

Dies sind die Neshamah, Ruach und Nephesh.

 

Neshamah wird als der erste und höchste Teil aufgefasst.

Sie entspricht den drei übernatürlichen Sephiroth Kether, Chokmah und Binah und entspricht der kabbalistischen Theorie gemäss dem höchsten Streben der Seele.

 

Neshamah selbst wird wiederum in drei Teile unterteilt. Diese ist Jechidah, Chiah und Neshamah.

 

Komplizierter geht`s wohl nicht, oder? Jechidah ist in Kether zentriert und entspricht der von Esoterikern, Mystikern und anderen religiös geprägten Menschen gut und gerne geglaubten tröstlichen Vorstellung eines wahren, unsterblichen und göttlichen Seins.

Chiah, lokalisiert in Chokmah, ist unser wissensdurstiger Verlangen und der Antrieb uns zu vervollkommnen, es ist unser wahrer Wille.

Die letzte Unterteilung, Neshamah ist in Binah zentriert. Es symbolisiert unser grösstes Sehnen, unser wahres Wünschen und Begehren und den höchsten Zustand unseres Bewusstseins, die intuitive Kraft, die die Menschheit mit dem Göttlichen verbinden soll.

 

Das mystische Erwecken von Neshamah, der drei übernatürlichen Sephiroth, im menschlichen Bewusstsein wird gemäss der kabbalistischen Theorie  durch die "heilige Vereinigung" des Königs und der Königin ( Tiphareth und Malkuth) vollzogen.

 

Ruach lokalisiert sich in den fünf Sephiroth von Chesed bis Jesod und ist in der Sephira Tiphareth zentriert. Dies ist der bewusste Teil unseres Wesens, welches als unser wahres, authentisches, ursprüngliches und freies Ich bekannt ist, das hinter all unseren einengenden Konditionierungen und Prägungen verborgen liegt.

Chesed verkörpert in diesem Sinne die archetypische Liebe und den Wunsch neue Formen aufzubauen (geistige und materielle), Geburah nun die archetypische Strenge und den Wunsch, Formen die nutzlos geworden sind, aufzulösen (geistige und materielle).

 

Die unteren vier Sephiroth entsprechen dem, was wir gemeinhin als Persönlichkeit oder die Ebene der Konditionierungen und persönlichen Sichtweisen verstehen.

Netzach versinnbildlicht generell die Kraft der kreativen Phantasie und Gefühle. In Hod zeigen sich die konkreten Bilder, die mentalen Konzepte, kurz alles was wir unter dem Begriff "Verstand" verstehen.

 

Nephesh verkörpert der untersten Teil der menschlichen Seele und residiert in Jesod. Dies ist der dunkle Seite oder das Schattenselbst der Seele und antwortet auf unsere animalischen Triebe und Instinkte. Wie auch immer, dies ist ein sehr wichtiger Teil, der uns mit der physischen Welt der Elemente und unseren tierischen Ahnen verbindet.

 

Der letzte Teil wird Guph genannt und ist in Malkuth zentriert. Es ist dies der physische Körper und die ganze Bandbreite aller menschlichen Sinne.

 

Um die dies ein wenig klarer darzulegen, bringe zunächst ein allgemein verständliches Beispiel für die Funktionen der unteren Sephiroth des Baumes. Die Sephirah Netzach am unteren Ende der rechten Säule stellt unter anderem die kreative Phantasie und die emotionale Ebene dar. Hod am untersten Ende der linken Säule versinnbildlicht das Bemühen des menschlichen Geistes, ein konkretes Bild mittels des Verstandes zu schaffen. In einem ausgeglichenen Menschen sollten diese beiden Faktoren im Gleichgewicht sein. 

Hat ein Mensch zuviel Netzach und zu wenig Hod, ist er ein äusserst einfallsreicher aber sehr unpraktischer Mensch, er ist ein künstlerisch veranlagter Typ. Hat jemand zu viel Hod und zu wenig Netzach, so ist er der "knochentrockene" Akademiker, der bei Prüfungen zwar hervorragende Resultate erzielt, aber sonst sehr wenig Leistungen erbringt, welche aus der Phantasie geboren werden.

Die Auswirkungen dieser beiden Seiten-Sephiroth treffen in Jesod zusammen und zeigen sich diese beiderseitigen Einflüsse in der instinktiven, automatischen Handlungsweise eines Menschen und prägen so sein Selbst-, wie auch sein Weltbild. In Malkuth äussern sie sich in der Physis und dem weltlichen Verhalten.

 

Um sich ein wenig besser verstehen zu lernen, kann auch der Lebensbaum zur Hilfe herangezogen werden. Wer sich mit dem Lebensbaum eingehend befasst hat, kann so möglicherweise seine Unausgeglichenheit abbauen, indem er/sie lange über die Sephiroth meditiert, an deren Kraft es ihm/ihr mangelt. Wenn wir uns mit den Pfaden zwischen den Sephiroth befassen, sollen übrigens auch noch feinere Abstufungen möglich sein.