Eine kurze Geschichte über das Pentagramm

 

Das Pentagramm in der europäisch-okkulten Tradition

 

Lemegeton - Clavicula Salomonis

 

 

n Goethes's Faust spricht Mephisto zu Faust:

"Beschauet es recht! Es ist nicht gut gezogen:
Der eine Winkel, der nach aussen zu,
ist, wie du siehst, ein wenig offen."

 

Mephisto, der alte Tunichtgut, schafft es also nur deshalb zu Faust vorzudringen, weil das Pentagramm auf seiner Türschwelle nicht ordentlich gezeichnet ist. Dieses Beispiel zeigt nur zu deutlich, welchen Stellenwert das Pentagramm in der rituellen Magie schon immer gehabt hat.

 

Wie schon die alten Griechen interpretierten mittelalterliche neupythagoräische Ritualmagiere das Pentagramm als Abbild des erwachten Menschen, der in seiner Ganzheit ein kleines Universum (Mikrokosmos) verkörpern soll. Sie verkündeten, dass das aufrechte Pentagramm die Form eines Menschen symbolisiert, wenn der Mensch die Arme und die Beine ausstreckt.

 

Tycho Brahe veröffentlichte in seinem Werk Calendarium Naturale Magicum Perpetuum (1582) eine anschauliche Dastellung davon. Er war zudem der erste, der um die Figur eine Erweiterung des Tetragrammaton JHVH gruppierte. Er fügte dem vierbuchstabigen Namen Gottes den hebräischen Buchstaben Shin hinzu und bildete flugs das Pentagrammaton JHSHVH (Jeheshua) daraus.

 

Pentagramm nach Agrippa von Nettesheim - De occulta occulta philosophia, 1510

Speziell von dieser Form des Pentagramms waren christliche Kabbalisten und Rosenkreuzer, die mittels der jüdischen Kabbala die Göttlichkeit Jesu zu beweisen versuchten um damit verstockte jüdische Kabbalisten zu bekehren, äusserst angetan. Sie versuchten nun fürderhin analog dieser Buchstabenspekulation immer wieder zu belegen, dass der heilige Geist den Menschen Jesu bewohnt und beide zusammen den Christus bilden, Aaaamen...!

 

Heinrich Cornelius Agrippa von Nettesheim veröffentlichte nachfolgend ein ähnliches Pentagramm wie Brahe. (Siehe links)

Statt der hebräischen Buchstaben fügte er fünf Planeten um die Figur hinzu, mit dem Mond im Zentrum. Andere Illustrationen aus der Zeit von Robert Fludd und Leonardo da Vinci weisen auf die geometrische Wechselwirkung von Mensch und Universum hin.

 

Das Pentagramm war in der Renaissance und der Nachfolgezeit das bevorzugte Emblem um esoterischen Schmuck, Orden, Amulette und anderen okkulten Tand zu verzieren. Es war mit den fünf Wunden Christi verbunden und da es als ununterbrochene Linie gezeichnet werden konnte, versinnbildlichte es zudem das Alpha und Omega, den Anfang und das Ende allen Seins.

 

In der gegenwärtigen magischen Praxis hat dieser schmucke Stern vornehmlich bei diversen Pentagrammritualen Verwendung gefunden.