Eine kurze Geschichte über das Pentagramm

 

Das Pentagramm im Wicca und anderen neuheidnischen Traditionen

 

 

egenwärtig wird das Pentagramm in all ihren möglichen und bisweilen auch unmöglichen Ausprägungen vor allem von der Wicca- und Neuheidenbewegung in Beschlag genommen, die dieses Symbol nicht nur auf alle möglichen Buchumschläge pappen, sondern gut und gerne auch gleich als kiloschwere Dutzendware um die bleichgepuderten Hälse hängen.

 

In den meisten Wicca- und Neuheidentraditionen wird seine symbolische Bedeutung von der mittelalterlichen Zeremonialmagie abgeleitet, zudem wurde eine Fülle neuer heidnischer Symbolik auf das aufrechtstehende und umgekehrte Pentagramm übertragen. Pentagramm mit Elementzuordnung

 

Gemäss mancher neuheidnischen Philosophien ist das Universum aus fünf Elementen aufgebaut: Feuer, Wasser, Luft, Erde und Geist.

 

Alles was existiert steht angeblich mit einem oder mehreren dieser Elemente in enger Verbindung.

 

Ok, betrachten wir mal den menschlichen Körper:

 

Unsere Lunge repräsentiert das Element Luft, unser Blutstrom symbolisiert das Wasser, unser Fleisch und die Knochen entsprechen der Erde und die Körperhitze erscheint dem Feuer verwandt. Der Wille, der uns zu Handlungen antreibt, sowie unser Bewusstsein entspricht Akasha, der Quintessenz oder dem Geist.

 

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Aber auch Mutter Erde hat eine ähnliche Verbindung zu den Elementen:

 

Die Atmosphäre ist die Luft, die Ozeane und Gewässer repräsentieren das Wasser, der Boden und die Felsen symbolisieren Erde, während der flüssige Erdkern und die Vulkane des Planeten dem Feuer entsprechen. Akasha, die Quintessenz, der Geist, entspricht der Göttin, dem Bewusstsein der Mutter Erde. 

 

Hier nun in lockerer Folge einige neuheidnische Deutungsmöglichkeiten:

 

Das aufrechtstehende Pentagramm versinnbildlicht, da es zum Himmel weist, Isis Urania, die himmlische Isis, das rein geistige Prinzip, während das auf dem Kopf stehende, umgekehrte, der Materie zugewandte Pentagramm, Cernunnos/Pan verkörpert, den Herr der Manifestation.Ein Pentakel

 

Die drei oberen Zacken des aufrecht stehenden Pentagramms entsprechen, einer weiteren Deutungsmöglichkeit gemäss, der dreifachen Göttin, der Jungfrau, der Mutter und der Greisin. Die zwei unteren Zacken entsprechen dem Gott in seinem zweifachen Aspekt als göttliches Kind und Herren der Anderswelt.

 

Sehr beliebt ist in der Heidenszene auch das Emblem des Pentakels, ein von einem Kreis umschlossenes Pentagramm. Auf dem Altare liegend verkörpert es zuweilen das Element Erde. Das Pentagramm des Pentakels symbolisiert in dieser Auslegung also das manifestierte Universum, der umschliessende Kreis die ewigen Zyklen der Zeit. Zusammengesetzt repräsentieren diese zwei Symbole demzufolge Raum und Zeit, also die Gesamtheit des Universums, die Summe allen Seins.

 

Witzig mag in diesem Zusammenhang auch erscheinen, dass es einige Wicca-Coven und andere neuheidnische Gruppierungen als ausserordentlichst wichtig erachten, beim Eröffnen und Schliessen ihrer Rituale das Pentagrammritual, sowie das kabbalistische Kreuz, zwecks dem Harmonisieren der Elemente, durchzuführen.

 

Rekapitulieren wir dies mal.

Also, welche Gottesnamen werden beim Pentagrammritual intoniert und was mögen diese wohl übersetzt bedeuten?

 

JHVH im Osten

Dies ist ein Gottesname der einer mathematischen Formel ähnlich den Lebensbaum definiert. Bisweilen wird er aber auch der 2. Sephirah Chokmah, der Weisheit, zugeordnet. Er bedeutet: Das was war, ist und sein wird.

 

 Adonai im Süden

Adonai wird schlicht und einfach mit "Herr" übersetzt. Dieser Gottesname wird der 10. Sephirah Malkuth, dem Königreich, zugeordnet.

 

Eheieh im Westen

Eheieh ist der Gottesname von Kether, der Krone, der 1. Sephirah des Lebensbaumes und bedeutet: Ich bin, ich werde sein!

 

Agla im Norden

Agla ist ein kabbalistisches Notariqon, eine Abkürzung für "Ateh Gibor Le-Olahm, Adonai" und bedeutet: Du bist mächtig bis in alle Ewigkeiten, oh Herr!

 

Doch halt, es kommt noch besser!

 

Folgender fundamentaler Satz aus dem kabbalistischen Kreuz-Ritual, der uns an das "Vater unser"-Gebet gemahnt, krönt diese Auflistung noch um einiges!

 

Ateh, Malkuth, ve-Geburah, ve-Gedulah, Le-Olahm, Amen.

Denn du bist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit, in Ewigkeit, Amen.

 

All diese Bezeichnungen, Titel und verehrenden Worte des kabbalistischen Kreuzes und des Pentagrammrituals, beziehen sich natürlich auf den Herrn des Universums und Vater-Gott des jüdisch-christlichen patriarchalen Glaubenssystems.

 

Jetzt mal ehrlich!

Die kabbalistische Ritualistik mag bestimmt und zweifelsohne ihren magischen Stellenwert besitzen, doch wirkt dies bei einiger Überlegung bei einem naturreligiösen, eher Muttergottheiten orientierten Kult schon ein wenig aufgepfropft und spürbar deplatziert, oder?!

 

Wie schon der guter Frater Moe Szyslak tiefsinnig anmerkte:

"Spediert man bei `nem heidnischen Ritual den Vatergott zur Vordertüre n`aus, kommt das Patriarchat abgschamt und hinterfotzig die Hintertüre n`ein!"

 

Merkwürdig, merkwürdig...!